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A2A-Protokoll: Wie Agenten verschiedener Anbieter zusammenarbeiten

Was das Agent2Agent-Protokoll (A2A) ist, wie Agent Card, Task und Artifact zusammenspielen, wie es sich von MCP unterscheidet und wann du es brauchst.

· Geprüft

Das Agent2Agent-Protokoll (A2A) ist ein offener Standard, über den KI-Agenten verschiedener Anbieter und Frameworks miteinander arbeiten. Ein Agent, der mit LangGraph gebaut ist, kann damit einem Agenten in Copilot Studio oder SAP Joule eine Aufgabe übergeben, ohne dessen Innenleben zu kennen. Google hat A2A im April 2025 vorgestellt und im Juni 2025 an die Linux Foundation übergeben. Dieser Artikel erklärt, wie A2A funktioniert, wie es sich vom Model Context Protocol (MCP) unterscheidet und wann du es brauchst.

Steckbrief (Stand Oktober 2026)

Merkmal Angabe
Träger Linux Foundation (Agent2Agent Project)
Lizenz Apache 2.0
Aktuelle Version 1.0, die erste stabile Fassung der Spezifikation
Übertragung JSON-RPC, gRPC oder HTTP+JSON (REST)
Offizielle SDKs Python, JavaScript, Java, Go, .NET
Unterstützer über 150 Organisationen, darunter AWS, Cisco, Google, IBM, Microsoft, Salesforce, SAP und ServiceNow (April 2026)

Welches Problem A2A löst

Innerhalb eines Frameworks ist die Zusammenarbeit von Agenten gelöst: CrewAI hat Crews, LangGraph hat Graphen, das OpenAI Agents SDK hat Handoffs. Schwierig wird es an der Grenze. Ein Einkaufsagent im ERP soll einen Agenten des Lieferanten fragen, ein Service-Agent in ServiceNow soll einen Agenten in Salesforce einbinden. Ohne gemeinsamen Standard braucht jede dieser Verbindungen eine eigene Schnittstelle.

A2A legt fest, wie ein Agent sich beschreibt, wie man ihm eine Aufgabe gibt und wie Ergebnisse zurückkommen. Der aufgerufene Agent bleibt dabei eine Blackbox: Er gibt weder Prompt noch Werkzeuge noch Gedächtnis preis.

So funktioniert A2A

A2A unterscheidet einen Client (den Agenten, der etwas will) und einen Remote Agent (den Agenten, der die Aufgabe erledigt). Vier Bausteine tragen das Protokoll:

Baustein Bedeutung
Agent Card JSON-Dokument, mit dem sich ein Agent beschreibt: Name, Fähigkeiten (Skills), Adresse, unterstützte Übertragungswege, Anmeldeverfahren. Üblicher Ort ist /.well-known/agent-card.json
Task Ein Arbeitsauftrag mit eigener ID und Status, etwa in Arbeit, Eingabe nötig, abgeschlossen, fehlgeschlagen oder abgelehnt
Message Eine Nachricht zwischen Client und Agent, bestehend aus einem oder mehreren Teilen (Text, Datei, strukturierte Daten)
Artifact Das Ergebnis einer Aufgabe, etwa ein Dokument, ein Bild oder ein JSON-Objekt

Der Ablauf ist einfach: Der Client liest die Agent Card, schickt eine Nachricht und bekommt einen Task zurück. Kurze Aufgaben enden sofort mit einem Ergebnis. Lange Aufgaben meldet der Agent per Streaming (Server-Sent Events oder gRPC-Stream) oder per Push-Benachrichtigung an einen Webhook des Clients. Braucht der Agent mehr Informationen, setzt er den Status auf "Eingabe nötig" und wartet auf die Antwort.

Beispiel einer Agent Card

{
  "name": "Lieferanten-Agent",
  "description": "Prüft Lagerbestand und Lieferzeiten für Ersatzteile",
  "version": "2.1.0",
  "supportedInterfaces": [
    {
      "url": "https://agent.example.com/a2a/v1",
      "protocolBinding": "JSONRPC",
      "protocolVersion": "1.0"
    }
  ],
  "capabilities": { "streaming": true, "pushNotifications": false },
  "defaultInputModes": ["text/plain"],
  "defaultOutputModes": ["application/json"],
  "skills": [
    {
      "id": "lagerbestand",
      "name": "Lagerbestand prüfen",
      "description": "Gibt Bestand und Liefertermin für eine Teilenummer zurück",
      "tags": ["einkauf", "lager"]
    }
  ]
}

Anmeldung und Rechte regelt A2A über bekannte Web-Verfahren: API-Schlüssel, OAuth 2.0, OpenID Connect oder gegenseitiges TLS. Welche davon ein Agent verlangt, steht in seiner Agent Card.

A2A und MCP: Was ist der Unterschied?

Beide Protokolle werden oft in einem Atemzug genannt, lösen aber verschiedene Aufgaben. Die A2A-Dokumentation fasst es so zusammen: "MCP is vertical. It deepens a single agent." und "A2A is horizontal. It connects agents across that boundary."

MCP A2A
Verbindet Agent mit Werkzeugen und Datenquellen Agent mit anderen Agenten
Gegenüber Werkzeug ohne eigenes Urteil, z. B. Datenbank, API, Dateisystem Eigenständiger Agent mit eigenem Modell und eigener Logik
Dauer Meist ein einzelner Aufruf Auch lange Aufgaben mit Rückfragen und Zwischenständen
Herkunft Anthropic, seit Dezember 2025 bei der Agentic AI Foundation (Linux Foundation) Google, seit Juni 2025 bei der Linux Foundation

In der Praxis kommen beide zusammen vor. Die A2A-Dokumentation nennt das Beispiel einer Autowerkstatt: Der Kunde spricht mit einem Werkstatt-Agenten, der die Diagnose an einen Mechaniker-Agenten übergibt (A2A). Der Mechaniker-Agent nutzt seine Diagnosewerkzeuge (MCP) und fragt beim Agenten eines Teilelieferanten nach dem Ersatzteil (wieder A2A).

Wer A2A unterstützt

Laut Linux Foundation ist A2A in Azure AI Foundry, Copilot Studio und Amazon Bedrock AgentCore eingebaut. Im Katalog nennen unter anderem diese Systeme A2A-Unterstützung:

  • Frameworks: Google ADK, Microsoft Agent Framework, Strands Agents, AG2, AgentScope, BeeAI Framework
  • Unternehmensplattformen: SAP Joule Studio, ServiceNow AI Agents, Oracle AI Agent Studio, Glean
  • Spezialisierte Lösungen: Rasa Pro, kagent (Kubernetes)

Wenn du ein System auswählst, das später mit Agenten anderer Abteilungen oder Partner sprechen soll, lohnt sich ein Blick darauf, ob A2A unterstützt wird und welche Version.

Wann du A2A brauchst

Sinnvoll ist A2A, wenn

  • Agenten aus verschiedenen Frameworks oder Plattformen zusammenarbeiten sollen,
  • Agenten über Team-, Abteilungs- oder Firmengrenzen hinweg aufgerufen werden,
  • ein Agent als Dienst für andere bereitstehen soll, ohne seinen Aufbau offenzulegen.

Nicht nötig ist A2A, wenn

  • alle Agenten in einem Framework laufen. Dann sind dessen eigene Mechanismen wie Handoffs oder Subagenten einfacher und schneller,
  • ein Agent nur Werkzeuge oder Daten anbinden soll. Dafür ist MCP gedacht.

Grenzen

  • Mehr Aufwand im Betrieb: Jeder Remote Agent ist ein eigener Dienst mit Adresse, Anmeldung und Überwachung.
  • Vertrauen bleibt deine Aufgabe: Signierte Agent Cards (neu in Version 1.0) belegen, dass eine Karte unverändert ist. Ob du dem Anbieter vertraust und was der Agent mit deinen Daten tut, regelt das Protokoll nicht.
  • Unterschiedliche Versionen: Viele Produkte haben mit Version 0.2 oder 0.3 begonnen. Prüfe, welche Version ein Anbieter unterstützt, bevor du zwei Systeme verbindest.
  • Fehlersuche über Grenzen: Läuft eine Aufgabe über mehrere Agenten verschiedener Anbieter, ist die Ursache eines Fehlers schwerer zu finden als innerhalb eines Frameworks.

Häufige Fragen

Ist A2A ein Produkt, das ich kaufen kann?

Nein. A2A ist ein offenes Protokoll. Du nutzt es über ein Framework oder eine Plattform, die es unterstützt, oder direkt über die offiziellen SDKs.

Ersetzt A2A das Model Context Protocol?

Nein. MCP verbindet einen Agenten mit Werkzeugen und Daten, A2A verbindet Agenten untereinander. Viele Systeme nutzen beides.

Gehört A2A noch zu Google?

Nein. Google hat A2A im Juni 2025 an die Linux Foundation übergeben. Seitdem wird es dort herstellerübergreifend weiterentwickelt.

Was ist mit dem Agent Communication Protocol (ACP) von IBM?

ACP ist inzwischen Teil von A2A unter dem Dach der Linux Foundation. Das BeeAI Framework, aus dem ACP stammt, unterstützt heute A2A.

Quellen

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